

Samhain - im Rhythmus des Vergehens und Werdens
Jahreskreisfest
Wenn die Tage kürzer werden, der Nebel durch die Landschaft zieht und sich die Natur langsam zurückzieht, beginnt eine ganz besondere Zeit. Eine Zeit zwischen Licht und Dunkel, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Abschied und Neubeginn.
Samhain lädt uns ein, innezuhalten, loszulassen und uns mit unseren Wurzeln zu verbinden.
Im keltischen Jahreskreis markiert Samhain den Übergang vom alten ins neue Jahr. Es ist das Fest der Ahnen und der Schwelle zwischen den Welten. Unsere Vorfahren glaubten, dass in dieser besonderen Nacht die Grenze zur Anderswelt durchlässig wird und die Verstorbenen ihren Lebenden wieder nahe sein können.
Es ist auch die Zeit, in der die Natur ihre Kraft in die Erde zurückzieht. Was im Sommer gewachsen ist, vergeht und wird zur Nahrung für neues Leben. In alten Geschichten verwandeln sich Götter und Göttinnen, Tiere ziehen sich zurück, und die Erde bereitet sich auf die Stille des Winters vor.
Der Hirsch, der Bär, die alte Frau, die ihre Schicksalsfäden spinnt – sie alle erzählen vom ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens. Samhain erinnert uns daran, dass nicht alles, was endet, verloren ist. Manches braucht Dunkelheit und Ruhe, um sich neu entwickeln zu können.
Das Fest der Ahnen und die Kraft der Pflanzen
Früher entzündeten die Menschen Kerzen für ihre Verstorbenen, stellten Speisen bereit und ließen einen Platz am Tisch frei. Es waren Zeichen der Erinnerung, der Dankbarkeit und der Verbundenheit über den Tod hinaus.
Auch Pflanzen galten als Begleiter an dieser Schwelle.
Der Holunder wurde als Tor zur "Anderswelt" verehrt, Wacholder galt als Schutzpflanze, Beifuß als Wegbereiter für Übergänge. Der Alant brachte in dunklen Zeiten das Bild des inneren Lichts, und das duftende Fichtenharz – mein liebes „Waldgold“ – schenkt mir bis heute ein Gefühl von Wärme und tiefer Verbundenheit mit dem Wald.
Und dann ist da die Nebelfrau, von der mir mein Großvater erzählte. Ich liebe diese Jahreszeit, wenn die kahlen Bäume im Nebel verschwinden, die Welt stiller wird und die Geschichten unserer Vorfahren wieder lebendig werden.
Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, um auch in uns selbst stiller zu werden.
Meine Einladung an dich
Geh hinaus in den Wald oder auf eine neblige Wiese.
Atme tief durch, lausche dem Wind und spüre, was diese besondere Zeit in dir bewegt.
Sammle am Boden liegende Blätter, Zapfen oder Kastanien und gestalte daraus ein Naturmandala – ein kleines Bild deiner Verbindung zur Erde.
Vielleicht magst du zu Hause eine Kerze entzünden, einen Kräutertee genießen und dich an die Menschen erinnern, die deinen Weg geprägt haben.
Was hast du in diesem Jahr gelernt? Was darfst du verabschieden? Was möchtest du in deinem Herzen bewahren – und was darf sich wandeln?
Du brauchst dafür kein großes Ritual. Manchmal genügt ein stiller Augenblick, ein Licht in der Dunkelheit und ein liebevoller Gedanke an jene, die vor uns waren.
Samhain ist für mich kein Fest, das nur vom Abschied erzählt. Es erinnert mich daran, dass im Loslassen Raum entsteht. Raum für neue Gedanken, für inneres Wachstum und für das, was in der Stille bereits auf uns wartet.
„Ich ehre, was war. Ich lasse los, was gehen will. Und ich öffne mich für das Neue, das in der Stille wächst.“
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