

Allerseelenzopf
Brauchtum
Ende Oktober beginnt in vielen Teilen Österreichs eine besondere Tradition: das Verschenken des Allerheiligenstriezels oder Allerseelenzopfs. Dieses süße, geflochtene Gebäck aus Germteig wird rund um Allerheiligen verschenkt.
Woher der Striezel kommt
Seinen Ursprung hat der Striezel wahrscheinlich im barocken Wien, wo er als sogenanntes Gebildbrot zu Festtagen gebacken wurde. Schon im 17. Jahrhundert ist er in Oberösterreich belegt. Von dort aus verbreitete sich der Brauch in viele Regionen – vom Burgenland bis nach Bayern, vom Salzkammergut bis nach Südtirol.
Im Osten Österreichs nennt man das Gebäck Striezel, im Westen spricht man vom Zopf. Beide Bezeichnungen beziehen sich auf die geflochtene Form.
Was der Zopf bedeutet
Das geflochtene Gebäck – ob als Striezel, Zopf oder Seelenbrot – trägt eine tiefe Symbolik. In der Trauerkultur hatte der Zopf eine besondere Bedeutung: Frauen flochten ihr Haar und schnitten es ab, wenn ein geliebter Mensch starb – als Zeichen des Abschieds. Diese Geste ist etwa aus dem Alten Ägypten überliefert, aber auch aus europäischen Regionen.
Zopfförmige Brote wurden früher zu besonderen Anlässen gebacken – als Festtagsgebäck, als Liebesgabe oder als Teil des traditionellen Leichenschmaus.
In manchen Gegenden galten sie als „Seelenbrot“, das die Verbindung zu den Verstorbenen stärkt. Der geflochtene Teig wurde so zum Sinnbild für das Miteinander von Generationen – und für die Hoffnung, dass alles gut verwoben bleibt.
Vom Trauergebäck zum Glücksbringer
Früher hatte der Striezel auch eine religiöse Bedeutung. Er galt als „Seelenbrot“– ein Gebäck, das an die Verstorbenen erinnert und Hoffnung schenken soll. In manchen Gegenden legte man ihn in der Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen sogar auf die Gräber – als Speise für die Toten.
Oft wurde der Striezel auch an Kinder und Arme verteilt, damit sie für die Verstorbenen beten. Daher kam auch der Name „Armenbrot“.
Der „Godntag“
Bis heute schenken Paten (Godn) ihren Patenkindern einen Allerheiligenstriezel „Godnsach“ – oft mit einem eingebackenen Geldstück. Der Genuss des Striezels soll Glück und Kraft bringen.
Im Burgenland etwa kauften die Burschen am Abend vor Allerheiligen einen Striezel für ihre Liebste – den sogenannten „Verehrerstriezel“.
In der Steiermark hingegen waren es die Mädchen, die ihren auserkorenen Burschen von ihrem „Heiligenstriezel“ kosten ließen. Aß der Bursch ein ordentliches Stück, galt das als angenommene Liebeserklärung.
In der Buckligen Welt waren die „Striezelbettler“ unterwegs:
„Gelobt sei Jesus Christus, tat bitten um an Heiligenstriezel“ – nachdem sie ihren Striezel empfangen haben verabschiedeten sie sich mit: „Vergelt’s Gott, Allerheiligen, seid’s a guate Schmalzkochbäuerin“.
Und im Weinviertel wird am Vorabend von Allerheiligen beim „Striezelpaschen“ traditionell um den Striezel gewürfelt.
So ist der Allerheiligenstriezel auch heute mehr als nur ein Gebäck: Er verbindet Menschen über Generationen hinweg.
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