
Eine Baumscheibe voller Leben
Mehr Vielfalt direkt am Baumstamm

Rund um unsere jungen Obstbäume möchte ich nach und nach kleine Pflanzgemeinschaften entstehen lassen. Die Baumscheiben sollen nicht einfach nur freie Erde sein, sondern sich mit der Zeit zu lebendigen Bereichen entwickeln, die den Boden bedecken und zur Vielfalt im Waldgarten beitragen.
Dabei interessieren mich besonders Kren und Beinwell. Kren wird traditionell eine abschreckende Wirkung auf Wühlmäuse zugeschrieben. Ob er diese zuverlässig fernhält, ist jedoch nicht gesichert. Auch hier möchte ich beobachten, welche Erfahrungen wir in unserem Garten machen.
Beinwell gefällt mir aus einem anderen Grund: Er bildet üppige Blätter, die sich später als Mulchmaterial nutzen lassen. So kann Pflanzenmasse wieder dem Boden zugutekommen. Gleichzeitig muss ich darauf achten, dass Beinwell mit seinen kräftigen Wurzeln und seinem starken Wuchs junge Obstbäume nicht bedrängt.
Deshalb möchte ich die Baumscheiben schrittweise gestalten. In den ersten Jahren sollen die jungen Bäume möglichst wenig Konkurrenz durch Gras und andere kräftig wachsende Pflanzen haben. Erst wenn sie gut angewachsen sind, möchte ich die Unterpflanzung nach und nach erweitern.
Mir gefällt der Gedanke, dass auch hier kleine Kreisläufe entstehen können: Pflanzen wachsen, ihre Blätter werden zu Mulch, organisches Material wird zersetzt und der Boden erhält neue Nahrung. Wie gut sich unsere Pflanzideen bewähren, wird sich mit der Zeit zeigen.
Ein Waldgarten, der mit uns wachsen darf
Unsere Streuobstwiese ist Teil unseres Waldgartens. Ich möchte sie nicht als abgeschlossenen Bereich betrachten, sondern als einen Baustein eines vielfältigen Gartens, in dem Obstbäume, Wildobst, Kräuter, Beeren, Wiesenpflanzen und unterschiedliche Lebensräume miteinander verbunden sind.
Dabei verfolgen wir mehrere Ziele:
Die Obstbäume sollen gut anwachsen, kräftige Kronen entwickeln und uns langfristig mit Früchten beschenken.
Die Baumscheiben sollen den jungen Bäumen einen guten Start ermöglichen und später schrittweise vielfältiger werden.
Wildobst, Kräuter und Beeren sollen zusätzliche Nahrung für uns und die Tierwelt bieten.
Die Wiese soll als Lebensraum erhalten bleiben – mit Blüten, Rückzugsbereichen, Totholz und geeigneten Nistmöglichkeiten.
Die Pflege soll sich an der tatsächlichen Entwicklung der Wiese orientieren und Raum für neue Erfahrungen lassen.
In den ersten Jahren stehen vor allem das Anwachsen, das bedarfsgerechte Gießen, der Schutz vor Verbiss und eine sorgfältige Baumpflege im Vordergrund. Dazu gehört auch, die Baumscheiben im Blick zu behalten und bei Bedarf den Boden zu pflegen. Später können weitere Pflanzen und Strukturen dazukommen. Mit jedem Jahr werden wir besser erkennen, was sich an unserem Standort bewährt und wo wir etwas verändern möchten.
Ich freue mich darauf, die Entwicklung zu beobachten: Welche Pflanzen fühlen sich wohl? Welche Insekten besuchen die Blüten? Wo entdecken wir Nützlinge, und welche Bereiche werden besonders gerne von Tieren angenommen? Auch eine Benjeshecke, Steinhaufen, Sitzstangen für Vögel oder Ohrwurmtöpfe können – passend zum Standort und zu den vorhandenen Arten – Teil unseres Gartens werden.
Nicht alles muss von Anfang an fertig sein. Manche Lebensräume brauchen Zeit, manche Ideen müssen ausprobiert werden, und manche Überraschungen lassen sich ohnehin nicht planen.