

Wald-Engelwurz
Angelica sylvestris
Familie der Doldenblütler – Apiaceae
„Aus den Gärten der Engel“
Unter Namen wie Engelwurz, Angelica oder früher auch Himmelswurz kennt man die imposante Heilpflanze, die seit Jahrhunderten in der Volksmedizin geschätzt wird. Sie liebt feuchte, sonnige Standorte an Wiesenrändern, Bachufern oder Waldrändern und kann beeindruckende Höhen von bis zu zwei Metern erreichen. Die Pflanze wirkt sehr harmonisch und ist zweijährig.
Botanische Beschreibung
Die Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) ist eine stattliche, zweijährige Pflanze mit kräftigen, glatten und meist hohlen Stängeln, die bei freiem, sonnigem Stand rötlich gefärbt sind – ein natürlicher Sonnenschutz.
Die großen, tiefgrünen, fiederteiligen Blätter haben eine dreifache Gestalt – ein Symbol, das man einst dem Erzengel Michael zuwies. Sie gliedern sich in Blattscheide, Blattstiel und Blattspreite. Die aufgeblähten Blattscheiden gelten in der Signaturenlehre als Hinweis auf ihre lungenstärkende Wirkung und sind eines ihrer auffälligsten Merkmale. Die einzelnen, bis zu 50–60 cm langen Blätter sind zwei- bis dreifach gefiedert und besitzen einen gesägten Blattrand.
Im Gegensatz zur Echten Engelwurz (Angelica archangelica) blüht die Wald-Engelwurz weiß bis weißlich-rosa. Ihre halbkugelförmigen Doppeldolden bestehen aus zahlreichen kleinen Einzelblüten, die im Hochsommer erscheinen. Sie ziehen Insekten magisch an und wirken in der Dämmerung fast, als würden sie leuchten.
Inhaltsstoffe & Heilwirkung
Wurzeln, Stängel und Samen enthalten eine Vielzahl wertvoller Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Furanocumarine, Mineralstoffe und Vitamin C. Aufgrund dieser Zusammensetzung wirkt Engelwurz verdauungsfördernd, krampflösend, leicht harntreibend, entzündungshemmend und nervenstärkend. Schon Hildegard von Bingen empfahl die Pflanze als Schutzmittel gegen Krankheiten und zur Stärkung des Herzens.
Heilwirkung & Anwendung
Die Engelwurz ist ja zweijährig:
Im ersten Jahr bildet sie die kräftige Blattrosette und sammelt ihre Kraft in der Wurzel.
Im zweiten Jahr treibt sie hoch hinaus, blüht prächtig, und all ihre gespeicherte Energie fließt in die Blüte und Samenbildung. Danach stirbt die Pflanze ab.
Darum erntet man die Wurzel im ersten Jahr – im Herbst oder zeitigem Frühjahr des zweiten Jahres, noch vor dem Blütentrieb - wenn sie die volle Heilkraft enthält.
Im zweiten Jahr nutzt man dann vor allem die Samen – und eventuell Stängel oder Blütenstände zum Räuchern.
Wurzeln: getrocknet als Tinktur oder als Tee aufgegossen, unterstützen sie Magen und Verdauung, helfen bei Blähungen und Appetitlosigkeit.
Blätter: als Tee bei Erkältungen und nervösen Beschwerden.
In früheren Zeiten wurde der Stängel kandiert (mir schmeckt dies nicht so gut)
Samen: in der Küche als Gewürz
Alle Teile: zum Räuchern
Doch Vorsicht: Um Hautirritationen durch den Pflanzensaft zu vermeiden, sammle die Pflanze und grabe die Wurzel nur mit Handschuhen aus. Da es sehr viele (auch giftige) Verwechslungsmöglichkeiten gibt, ist ein sicheres Erkennen der Pflanze Voraussetzung!
Räuchern
Die getrocknete Wurzel und Samen der Engelwurz werden traditionell zum Schutz und zur Reinigung von Räumen verwendet. Ihr würziger Duft soll negative Energien vertreiben, das Haus vor Krankheit schützen und Harmonie fördern. In alten Überlieferungen galt sie als „Hausengel“, der das Heim bewacht.
Küche
Engelwurz wird sowohl als Likörpflanze als auch zum Aromatisieren von Süßspeisen und Gebäck verwendet. Junge Stängel lassen sich kandieren, die Wurzeln kochen oder trocknen, und die Samen verleihen Gewürzmischungen ein warmes, leicht süßliches Aroma.
Überlieferungen & Geschichten
Der Name „Angelica“ leitet sich vom lateinischen angelicus ab – „engelsgleich“. Einer Legende zufolge erschien einem Mönch ein Engel, der ihm diese Pflanze zeigte, um die Menschen vor Pest und Krankheiten zu schützen. Daher galt Engelwurz über Jahrhunderte als Schutz- und Heilpflanze, die Haus und Mensch bewahren konnte. In manchen Regionen wurde sie auch an Türen oder Fenstern aufgehängt, um Unglück fernzuhalten.
Der Beiname sylvestris bedeutet „im Wald lebend“ und verweist auf ihren bevorzugten Standort. In manchen nordischen Sagen wird erzählt, dass sie Licht in die Dunkelheit des Waldes bringt – vielleicht rührt daher die Beobachtung, dass ihre Blütendolden in der Dämmerung fast zu leuchten scheinen.
Meine Begegnung mit der Engelwurz
Seit dem letzten Jahr wächst die Engelwurz in meinem Garten – ein Heilkraut, welches den Weg zu mir gefunden hat. Im ersten Sommer hielt sie still und breitete nur ihre mächtige Blattrosette aus. Dieses Jahr aber ist sie emporgewachsen, stark und von rundem Blütenglanz umgeben, ein Magnet für alles, was summt und fliegt. Ihre Samen trockne ich, um daraus Tee zu bereiten oder sie im Räuchergefäß zu verglimmen. Ihr aufsteigender Duft füllt den Raum und trägt etwas von ihrer stillen Kraft in mein Zuhause.

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